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Rezension: "Sicher & frei reiten" von Jenny Wild & Peer Classen

Ich freue mich jedes Mal, wenn ich Jenny Wild und Peer Classen auf Pferdemessen treffe. Es ist schon fast ein kleines Ritual, dass wir uns gegenseitig bei unseren Vorführungen zuschauen: Unser Horse-Dog-Trail und deren Natural Horsemanship (NHS). Übrigens eine Art von NHS, die auch ich so bezeichnen würde und das heißt ja heutzutage ja schon etwas, da von manchen Trainern etwas als NHS verkauft wird, das eigentlich das genaue Gegenteil ist. Nicht so bei Jenny und Peer. Das, was die beiden machen, hat Hand und Fuß. Das sieht man auf den Messen und das habe ich schon damals gedacht, als ich deren Übungsbuch NHS rezensiert habe. Als Jenny mir schrieb, dass wieder ein Rezensionsexemplar an mich unterwegs sei, habe ich mich also erst mal riesig gefreut und es aufgeregt ausgepackt, als der Postbote es lieferte.

Aber dann habe ich angefangen, grob durchzublättern und war ein bisschen enttäuscht. Jetzt stand ich da im kurzen Hemd und fragte mich: „Soll ich bei so netten und kompetenten Leuten jetzt ein Rezension schreiben à la: Tolles Buch für Anfänger – aber sonst …?“ Möchte ich eigentlich nicht, andererseits muss so eine Rezension aber auch ehrlich sein, sonst kann man sich die Arbeit ja wirklich sparen. Also habe ich gestern abend vor mich hingeschimpft und mich bei meinen Kindern beklagt, dass ich ja jetzt dieses Buch lesen muss im festen Glauben: "Das weiß ich doch alles schon". Ich hatte also keine rechte Lust und habe mir erst mal die Videos zum Buch in der zugehörigen App angeschaut. Mein Gedanke zu Video 1: „Kenn ich schon.“ Zu Video 2: „Ist ja richtig, aber kenn ich auch.

Mein Gedanke beim Video zum Satteln: „Wird jetzt etwa die ellenlange Checkliste, die ich im Buch gesehen habe, gezeigt?“ Ich habe das Handy beiseite gelegt, die Checkliste angeschaut und dann das Video im Anschluss geschaut. Ich war erstaunt, dass dem Pferd zeitgleich so viele Fragen gestellt wurden, es aber trotzdem flott vonstatten ging. Immerhin ein gutes Buch für Anfänger, dachte ich erneut. Aber ich habe ja bei Parelli den Level 4 im Reiten und reite fliegende Wechsel mit und ohne Kopfstück - was soll also ausgerechnet ich mich jetzt noch mit Satteln aufhalten. Das haben wir vor Jahren durchexerziert und unterrichten wir jetzt selbst. Also Buch und Handy beiseite gelegt, geschlafen, Kundin unterrichtet und dann zum eigenen Pferd gesaust. Endlich war mal guter Boden und wir konnten erstmals im Jahr 2017 daran anknüpfen, wo wir im Herbst mit aufgehört hatten. Denn ich bastel ja zur Zeit an Parellis Level 4 am Boden und gerade die fliegenden Wechsel werden da oft unterschätzt.

Übrigens auch von mir, die Reitteile habe ich ja bestanden, das Pferd kann also definitiv fliegend wechseln und was macht es? Es reißt sich doch tatsächlich los. Ich also hinter ihr her gestiefelt und habe Folgendes vor mich hin geschimpft: „Mein Gott, Fancy, Du bist ein tolles Westernriding-Pferd, wenn Du eins kannst, dann ist das fliegend wechseln. Was soll das Theater?“ Man sieht ja auch auf Youtube immer mal Videos, in denen die Leute für den Wechsel am Boden viel Energie aufbauen, denn das Pferd braucht für das schwierigste aller Manöver ja Spannung im Körper. Gedacht, getan und da reißt sich Fancy ein zweites Mal los. Ich wollte innerlich schon wieder vor mich hin schimpfen, aber da fiel mir Jennys Buch ein: „Es ist wichtig, dass man das Pferd fragt,“ schreibt sie sinngemäß und dass man nicht unbedingt auf jedes einzelne „Nein“ des Pferdes eingehen muss, aber man muss dieses Nein bemerken. Während ich dieses Mal los stiefelte, um meine Fancy einzusammeln, ging mir das am Rande Gelesene nicht mehr aus dem Kopf.

Daher habe ich in diesem Versuch das Pferd angaloppiert und als ich den Wechsel fragen wollte (mein Westerntrainer sagt mir auch gelegentlich, ich hätte schlecht „gefragt“ - mehr Anekdoten aus dem Unterricht findet ihr HIER), habe ich dieses Mal die Frage laut ausgesprochen: „Würdest Du einen Wechsel für mich machen, Fancy?“ und ob ihr es glaubt oder nicht: Sie ist von hinten nach vorne gesprungen mit ruhiger Oberlinie, in perfekter Manier und mir fiel die Kinnlade herunter. Nicht nur der Groschen war endlich gefallen, denn jetzt fiel mir auch wie Schuppen von den Augen, was Fancy mit ihrem Losreißen sagen wollte: „Behandele mich nicht wie ein Baby, ich kann wechseln, aber Du kannst auch netter fragen.“ Danke Jenny, dass Du mich von meinem hohen Ross zurück auf den Boden der Tatsachen gebracht hast, denn jetzt klappt es auch mit dem Nachbarn … äh pardon: dem Pferd natürlich. (Foto: Steffi Günther - Fancy & ich auf einem Turnier in Montabaur)

Als ich nach Hause kam, habe ich mir das Buch direkt zur Hand genommen und die erste Hälfte habe ich jetzt schon durch. Dieses Mal habe ich es mit ganz anderen Augen gelesen als am Vorabend. Dieses Buch ist eben nicht nur für Anfänger im Natural Horsemanship geeignet. Es ist auch ein Buch für Könner, die - wie ich - vergessen haben, dass nach Pat Parelli das was man lernte, als man alles wusste, das ist, worauf es ankommt. Und obwohl ich genau dieses Zitat in meinem eigenen Buch verwendet hatte, musste mich jemand anderer mit der Nase in mein eigenes Problem stupsen und mich daran erinnern, dass man seine Basics niemals vergessen sollte. Auch das geben Jenny und Peer klar zu verstehen: Es sind die einfachen Zutaten am Anfang der Pferdeausbildung, die später für all die schwierigen Manöver als Bausteine dienen. 

Egal in welcher Reitweise – Reiter und Pferd brauchen ein stabiles Fundament, worauf sie aufbauen können. Nachdem ich also soeben die ersten 100 Seiten in einem Rutsch verschlungen hatte – es ist so anschaulich erklärt, wie konnte ich gestern nur denken, dass es langweilig ist? - habe ich mir jetzt die zweite Hälfte der Videos angeschaut und war zum zweiten Mal am heutigen Tag zutiefst beschämt über mich selbst, denn so nett ich Jenny und Peer finde, ich habe mich gestern beim Gedanken erwischt, dass selbst ich als überzeugte Horsemanshiplerin nicht frei von Arroganz bin, indem ich beim Durchblättern Folgendes dachte: „Ist ja klasse, was die beiden mit mehreren Pferden an Freiheitsdressur auf die Beine stellen, aber reiterlich wird es ja wohl nicht soooo weit her sein.“ Wie sehr habe ich mich getäuscht, denn in den letzten Videos reitet Jenny in turnierreifer Manier Seitengänge: Schulterherin, Traversalen, Renvers und Travers in einer Eleganz und Weichheit, dass es mir die Schamesröte ins Gesicht stieg über diesen flüchtigen Gedanken.

Erneut konnte ich nicht weiterlesen und musste jetzt sofort aus dem Augenblick heraus diese Rezension schreiben. Gestern vor dem Schlafengehen hatte ich noch darüber sinniert, wie ich elegant den Bogen zu meinem eigenen Buch finde à la: „Wenn ihr Anfänger seid, lest Jennys Buch, aber wenn ihr schon fortgeschritten seid, dann lest bitte meins“ Das Leben hat mich eines Besseren belehrt und daher revidiere ich meine Empfehlung in: „Egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener: Jenny & Peers Buch ist ein MUSS für jeden, dem eine gute Beziehung zum Pferd am Herzen liegt.“ Wenn ihr „Sicher und frei reiten“ durchgelesen habt und Lust habt mehr zu lesen, erst dann empfehle ich Euch meine eigenen Bücher bzw. ganz besonders mein umfangreiches Lehrbuch „Westernreiten meets Natural Horsemanship“, in dem die Grundlagen aus Jenny & Peers Buch nur gestreift werden, aber wo ihr Ideen findet, wie es weitergehen könnte, wenn ihr Euch dieses erwähnte solide Fundament erarbeitet habt.

Aber zurück zu Jenny und Peers Buch: Ich habe noch nie ein Buch rezensiert, bevor ich es zuende gelesen habe, aber dieses Mal mache ich es frei nach Pat Parellis Motto: „If you know the rules, you can break the rules“ bzw. „Sag niemals nie, sag nicht immer immer, normalerweise sag normalerweise.“ Es ist ja auch weniger eine Rezension, sondern vielmehr eine kleine Geschichte geworden und die ist nun leider zuende. Wenn ihr wissen wollt, wie mir der zweite Teil des Buches gefallen hat, dann müsst ihr die Tage auf Amazon schauen. Als krönenden Abschluss bekommt ihr aber hier noch meine Lieblingszitate aus Jennys und Peers Buch, denn darin steckt viel Weisheit und viel Pferdeverstand.

 

TIMING: Wann Sie die Frage (…) beenden entscheidet darüber, was das Pferd lernt. Hören Sie genau in dem Moment auf, wenn das Pferd die Frage verstanden hat (…) Die Kunst besteht darin, schon den kleinsten Versuch, den ersten Schritt zu bemerken und zu bestätigen, um hinterher darauf aufzubauen. Jedes Pferd erkennt darin die unmissverständliche Botschaft: „Das, was Du jetzt gerade machst, war richtig.“

 

WIE KANN DAS PFERD NEIN SAGEN? Mit großen Zielen vor Augen übersieht man gerne kleine (Vor-)zeichen, die einem großen Ärger ersparen können. Man registriert meist erst deutliche Einwände des Pferdes, etwa wenn es tritt, beißt, steigt, bockt oder durchgeht. Doch solche lauten Neins kommen nur in Ausnahmefällen aus heiterem Himmel. Eigentlich sagt Ihnen jedes Pferd schon sehr lange vor einem Tritt oder dem Bocken mit kleinen Signalen, dass etwas nicht in Ordnung ist.

 

ZUTATEN: Deswegen ist man gut beraten, sich zuerst die einzelnen Zutaten separat zu erarbeiten, um sie im weiteren Verlauf sinnvoll zu immer anspruchsvolleren Übungen zusammenzusetzen. (..) So wie sie als Kind aus immer den gleichen Legobausteinen mal ein Auto, mal ein Haus und mal ein Schiff bauen konnten, können Sie jetzt aus unseren Bausteinen später eine Dressurprüfung, eine Westernpattern, einen Springparcours oder einen Ausritt zusammenbauen.

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