12 Oaks Ranch - Mehr als "nur" Reiten
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Pferdetraining aus Südafrika - erstaunliche wissenschaftliche Erkenntnisse

Die Autorin mit einem ihrer Pferde

In dieser Rezension wird es exotisch: Lara-Tabitha Snyman ist eine Deutsche, die nach Südafrika ausgewandert ist und dort Pferde trainiert. Bevor sie ausgewandert ist, hat sie in Deutschland Tierpsychologie mit dem Schwerpunkt Hunde und Pferde studiert und danach auch ein paar Semester menschliche Psychologie. Kennengelernt habe ich sie über das Video, das ihr ganz unten auf dieser Seite findet, wo ich Kritik an Zirkustrainerin Sylvia Czarnecki übe. In diesem Zusammenhang war es einfach nur erfrischend von einer Fachfrau zu hören, dass Tierpsychologie mehr ist als nur Verhaltenstraining. Bevor es zur eigentlichen Rezension geht, lasst euch verzaubern von Bildern aus Südafrika bzw. Laras Farm bei Kapstadt mit dem wunderschönen Namen Ibalansi: Das Zulu-Wort für Balance. Balance ist genau das, was gutes Pferdetraining auszeichnet und auch den Inhalt des Buches ausmacht. HIER geht's übrigens zur Homepage der Autorin.

Wie oft hört man dieser Tage, dass es die EINE Lerntheorie gibt an er alle anderen gemessen werden. Gemeint ist der Behaviourismus und auch hier ist es modern geworden, diesen auf nur eines von vier Elementen zu reduzieren: die positiven Verstärkung, so als wäre das Pferd ein Palomino-Pferd im C & A Kaufhaus, das man minütlich mit Eurostücken füttern muss, damit es sich bewegt. Lara Snyman klärt aber auf, dass es in der Tierpsychologie zwei wissenschaftliche Richtungen gibt: Nicht nur den Behaviourismus, sondern auch den Kognitivimus - auch als Lernen am Modell bekannt. Aber keine Angst: Weder die Rezension noch das Buch werden allzu wissenschaftlich, denn im Buch werden wissenschaftliche Fakten anhand von Beispielen anschaulich und verständlich erklärt. 

So wird das Lernen am Modell viel besser mit dem Begriff Nachahmung beschrieben.

Das Buch beginnt mit einem Überblick über die Geschichte und die Entwicklung des Pferdes. Danach erklärt die Autorin die Sinneswahrnehmung der Pferde und macht uns damit bereit zum Kernstück des Buches, das uns hilft, unser Pferd besser zu verstehen.

Die Autorin belegt nicht nur anhand von Studien, dass Pferde Emotionen fühlen, sondern zeigt auf, dass Pferde überraschend intelligent sind. Auch hier erzählt sie das Ergebnis von Studien interessanter als es jede Geschichte sein könnte. 

Wer also schon vom Experiment gelesen hat, wo Pferde anhand von Symbolen mitteilen konnten, ob sie eine Decke angezogen haben wollten oder aus, der bekommt in diesem Buch mehr davon. Nachdem uns nun sowohl Gefühle, Intelligenz und Merkfähigkeit der Pferde klarer sind, erfahren wir, wie wir diese Erkenntnisse für den Alltag nutzen können und landen in einem Pferdetraining, das beweist, dass der langsame Weg am Ende der schnellere Weg ist, weil das Pferd mangels potentieller Überforderung, gar nicht erst in den Widerstand geht. Es fühlt sich verstanden und wird vom Sklaven zum Partner auf Augenhöhe und so heißt auch der Untertitel des Buches Horse Psychology: An approach to communication at eye-level - eine Annäherung zu einer Kommunikation auf Augenhöhe.

Wer nun aber befürchtet mit rosa Wattebällchen beworfen zu werden, der liegt falsch, denn Lara Snyman macht unmissverständlich klar, dass zum Pferdetraining Selbstbewusstsein gehört, denn Pferde suchen Sicherheit und die muss man ausstrahlen. Und das, was wir ausstrahlen, ist manchmal sogar viel wichtiger als das, was wir tun. Pferde spüren, was wir fühlen und denken und so hat mich das Kapitel über die energetische Sprache ganz besonders fasziniert, ohne dass das Buch Gefahr lief ins Esoterische abzudriften, denn man findet auch handfeste Tipps zu den Themen: Koppen, Weben, Headshaking uvm. Wichtig ist hier, dass solche Unarten gar nicht erst entstehen, wenn Pferde artgerecht gehalten werden. Reine Boxenhaltung ist Gefängnisgewahrsam beweist die Autorin mit Bildern. 

Fotos (vielleicht manchmal etwas klein) gibt es auch zum Thema Körpersprache, denn das Buch lehrt uns, unser Pferd zu lesen und die eigene Körpersprache zu verstehen. Selbstverständlich weiß die Autorin von der Notwendigkeit guten Reitunterrichts, aber Technik alleine führt noch nicht zu einer guten Beziehung, die für Snyman an erster Stelle steht und die Pferd-Mensch-Beziehung beginnt am Boden, ja vielleicht sogar noch vor der Bodenarbeit:

Wie integriere ich ein neues Pferd in eine Herde? Wie kann ich das Pferd auf den Menschen prägen, ohne die Bindung zwischen Stute und Fohlen zu stören? Wie lernt das junge Pferd am Besten? Snyman bevorzugt positive Verstärkung, wo es möglich ist, aber weiß - im Gegensatz zu manchem Pseudo-Wissenschaftler - dass auch die anderen vier Elemente negative Verstärkung und Strafe ihre Berechtigung haben - es kommt ganz einfach auf die Situation an.

Besonders begeistert hat mich auch das Beispiel, wo die Autorin unerwünschtes Verhalten des Pferdes unter Signalkontrolle gebracht hat, denn das kenne ich auch aus eigener Erfahrung, wo ich ein Pferd das steigt von der Idee des Steigens unter dem Sattel abbringen konnte, indem ich dem Pferd das Steigen am Boden beigebracht habe. Es ist danach nie wieder gestiegen und wie schön zu lesen, dass gutes Pferdetraining über die Kontinente hinweg doch recht ähnliche Grundlagen hat.

Da die Autorin das Trauma von Pferden nicht nur aus dem Studium kennt, sondern auch hautnahe Erfahrungen damit hat - per Whats App erzählte sie mir von Pferden, denen die Augen ausgestochen wurden - weiß sie aber auch, dass schwer traumatisierte Pferde für Leckerlis möglicherweise nicht zugänglich sind und beschreibt auch Wege zwischen Leckerli und Zwang, der rigoros abgelehnt wird. Wie bei vielen könnten ihre Worte auch Worthülsen sein, aber hier ist eine Frau, die für mich absolut glaubwürdig ist, denn es ist ein ehrliches Buch, das auch Mißerfolge oder eher vorübergehende Hürden im Pferdetraining nicht verschweigt. Ich bin versucht zu spoilern, aber Reden ist bekanntlich Silber und das Gold findet ihr im Buch: Ein Must-Read, das nur einen Nachteil hat: Es ist in englischer Sprache, aber auch gut zu lesen für jemanden wie mich, wo die Zeiten des Schulenglisch seit Jahrzehnten vergangen sind. Sollte ich es wirklich einmal nach Südafrika schaffen, werde ich Lara besuchen und statt auf Safari zu gehen, werde ich meine Zeit damit verbringen, sie zu überreden, dass sie dasselbe Buch auf Deutsch veröffentlicht. Mehr von Lara Snyman auf www.ibalansi.com/

 

Unterhalb das Video, das dazu geführt hat, dass ich dieses wunderbare Buch rezensieren durfte, findet ihr nicht nur einen affiliate Link zum rezensierten Buch "Horse Psychology", sondern auch meine Bücher - auf Deutsch und nicht ganz so wissenschaftlich ...

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