12 Oaks Ranch - Mehr als "nur" Reiten
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Fancys Pferdekuss à la: Das-macht-die-sonst-nie & Die-will-nur spielen

Regeln gelten ja für alle und jeden, aber doch nicht bei den eigenen Pferden. Das Foto soll zeigen, dass Fancy eine Tarnung benutzt, die ihr den Anschein gibt, sie könne kein Wässerchen trüben ;-)

So dann erzähle ich euch jetzt mal einen vom Pferd. Meiner einer kann ja gut mit Problempferden: Ich rücke denen mit Horsemanship-Seilen aus Yachtleine zu Leibe, die mindestens 4, aber in der Regel doch sieben Meter lang sind ... zumindest, wenn die Zossen nicht mir gehören. Bei meinen eigenen Pferden stell ich mich so dämlich an, dass ich es tatsächlich ins TV schaffen könnte. Unsere Fancy hat einen Einschuss, läuft auf drei Beinen und durfte seit Montag nicht mehr auf die Wiese und die anderen hatten solidarisch mit Paddock-Haft erhalten. Heute kam dann meine THP und hat ihr eine Spritze geben wollen, was normalerweise kein sooo großes Problem ist. Während sie die Spritze aus dem Auto holt, krabbelt Fancys Tochter Queenie aus dem Paddock (die geht einfach galant zwischen den Litzen durch, wenn kein Strom drauf ist) wälzt sich und will dann das Fangenspielen mit ihrer Mutter einläuten, die nun aber gerade die Spritze kriegen soll. Vor die Wahl gestellt: Spritze oder Fangen spielen, hat diese sich für Letzteres entschieden und ab geht die Luzie ... äh .. Fancy.Ich musste den pisseligen Führstrick natürlich loslassen, aber frei nach dem Motto: Sind-wir-Cowgirls-oder-sind-wir-Memmen, bin ich hinterher und wollte Madame holen (warum habe ich Depp mir kein langes Seil geholt??). Während ich in aller Gemütlichkeit mit Fancy Richtung Spritze stiefel, läutet Queenie Fangen-Spielen der Tragödie zweiter Teil ein, Fancy will mitlaufen .... ich will mit aller Kraft das 1,47-m-Seil halten und da hat die mich in die Hüfte getreten, dass ich ein Meter durch die Luft geflogen bin und mir Selbige wegblieb. Anstatt mich aber nun ProViehmäßig schreiend auf den Boden zu schmeißen, bin ich aufgestanden, habe humpelnd ein Seil und Futter geholt und dann hat die ihre Spritze bekommen. Und dreimal dürft ihr raten, was ich meiner THP und meiner dabei stehenden Kundin gesagt habe ..... DAS MACHT DIE SONST NIE :-D :-D :-D

Hier der Beweis - na ja gut, da sitze ich oben drauf und bin schwer zu treffen ;-) ;-) ;-)

Never use a short rope - Noch eine Geschichte von kurzen Stricken

An dem Tag als 4my.horse gestartet ist, hatte ich ausgerechnet jede Menge Unterricht – vormittags auf der Ranch und nachmittags das 1. Mal bei einer neuen Kundin im mobilen Unterricht: Ein junges Mädchen, die ich hier einfach mal aus Datenschutzgründen Dani nenne. Wir hatten durch und durch einen schlechten Start. Den ersten Termin musste ich absagen wegen Schnee, beim zweiten war ich voll im Stress und hatte meine Ausrüstung nicht dabei (wobei ich eingestehen muss, dass ich meine Seile und Sticks eher selten mit zum Kunden nehme, denn meistens haben die Kunden irgendetwas an NHS-Ausrüstung, wenn auch meist in minderer Qualität). Obwohl Dani mir geschrieben hatte, dass ihr Pferd gelegentlich steigt und beim Spaziergang schwer zu führen ist, war ich nicht gerüstet: Meistens hat man so ein Verhalten ja auch innerhalb kürzester Zeit im Griff – zumindest am Boden. Das hier war aber ein Pferd, dem man mit Stallhalfter und kurzem Führstrick so gar nicht Herr wurde. Und wie das bei schlechten Starts so ist: Es geht schief, was nur schief gehen konnte. Nicht nur, dass der Führstrick besonders kurz war: Die Longe war dann auch noch besonders lang und dann auch noch aus diesem flachen Gurtmaterial, womit man ein Pferd einfach nicht halten kann. Als wäre es den Unglücks nicht genug, war auch noch der Reitplatz besetzt und das ausgerechnet mit jemandem, der mit zwei Pferden gleichzeitig Freiheitsdressur machte: Sich dazu zu gesellen, war so dann auch nicht möglich und das kräftige Pferd meiner Kundin versuchte nach Kräften seine zierliche Besitzerin in der Gegend herumzuziehen. Das kann man ihm auch nicht zum Vorwurf machen, es ist eben der Typ von Pferd, der nicht gut die Füße still stehen lassen kann und sehr gerne spielt – ein Traumpferd eigentlich mit der Grundbotschaft „Spiel mit mir“. Es lag also im konkreten Fall weder am Vertrauen noch an der Liebe, sondern mehr an aufgestauter Energie (selbst die größten Winterpaddocks sind im Vergleich zu Sommerweiden eben einfach ziemlich klein). Na ja, und es ist so ein Typ Pferd, das hervorragend auf sich selbst aufpassen kann, das unmissverständlich klar macht: „Wenn Du nicht weißt, was Du willst … ich weiß es umso besser“. Nachdem wir also einige Minuten am Rand des Reitplatzes standen und mit dem hampelnden Pferd warteten, sprach ich in der Not die Dame an, die Freiheitsdressur machte, ob wir uns wohl dazu gesellen könnten: sie war nicht gerade begeistert. Irgendwie peinlich und unangenehm, aber ein Pferd, das die Füße nicht still stehen lassen kann, das KANN die Füße wirklich nicht still halten. Endlich, endlich konnten wir aber mit dem Wallach auf den Platz und begannen ein wenig Rückwärts und Hinterhand mit stetigem Druck zu verschieben, obwohl das mit dem Stillstehen und Abwarten einfach gerade nicht des Wallachs Idee war. Apropos Idee … mir fiel Parellis Leitsatz ein: „Mach Deine Idee zur Idee Deines Pferdes, aber verstehe zuerst seine Idee.“ und die war ganz eindeutig: „Ich will rennen.“, also habe ich Dani das Pferd „geklaut“ und wollte es „longieren“, da ich davon ausgehen musste, dass der Wallach kein Circling Game beherrscht. Na ja, Longieren kannte er anscheinend genauso wenig und bretterte von dannen, mir die Gurtleine durch die Hand ziehend und mit der Hinterhand nach mir austretend. Die junge Besitzerin stand so neben mir, dass ich zwischendurch Angst hatte, sie gerät mir zwischen die Longe und ich rief in Panik: „Weg“. Ich hatte noch nicht einmal einen Stick zur Hand, um das Pferd auf Abstand zu halten und vorne bremsen war gänzlich ausgeschlossen. Danis Mutter stand an der Bande und unterhielt sich mit einer anderen Einstellerin und ich dachte bei mir: „Jetzt sehe ich wahrscheinlich genauso hilflos aus wie gewisse TV-Pferdeprofis … vielleicht sollte ich das Geld zurück geben, bevor ich mich hier völlig lächerlich mache.“ Aber da war ja noch die Sache mit den Ideen, meiner, Danis und die vom Wallach, dessen Idee halt das Rennen war. Und getreu dem Motto „Erst das Pferd und dann den Reiter“ ist der nun mal zuerst dran, also Leinen los, Pferd rennt kreuz und quer über den Platz und fängt dann auch noch prompt an, kurzfristig ein wenig vorne zu ticken (war wohl nur etwas vertreten, aber das wussten wir vor zwei Wochen ja nicht). Holla, die Waldfee, was habe ich mich unwohl gefühlt und gedacht: „Hier darf ich wohl kein zweites Mal hin kommen.“ Immerhin habe ich wenigstens verbal ein kleines bisschen Kompetenz ausstrahlen können und hatte dem jungen Mädchen und ihrer Mutter noch vor dem Desaster gesagt, dass man das Natural Horsemanship am Besten mit einem Pferd lernt, das schon etwas weiter ausgebildet ist, weil sonst die Menschenschule mit der Pferdeschule derart vermengt wird, das Lernen nicht gerade leicht fällt. 

 In der Regel kommt von meiner Kundschaft bei diesem meinem Ansinnen sofort Protest: „Ich möchte aber in meiner Freizeit mit MEINEM Pferd etwas unternehmen.“, weswegen ich genau damit gerechnet hatte. Falsch gedacht: Dani sagte sofort, das sei eine gute Idee, während der wilde Wallach binnen fünf Minuten Freilauf zum ruhigen Wallach mutierte und sich dann als vorbildliches Lehrpferd präsentierte, zumindest bei Parellis Friendly Game mit Longierpeitsche (Not macht ja erfinderisch) und beim Verschieben der Hinterhand und dem Rückwärts auf stetigen Druck. Dass dieses Pferd (Parelli würde es wohl Left-Brain-Extrovert nennen) die Vorhand nicht aus dem Weg nehmen wollte, ist ganz typisch für diese Art von Pferden, aber Dani und ich haben selbst das am Ende geschafft und das sind die Momente, wo im Pferdekopf viel mehr passiert, als man landläufig so annimmt. Auf dem Weg vom Platz zum Stall, hatte Dani dann auch binnen kürzester Zeit den Bogen raus, wie sie es effektiv unterbinden konnte, dass das Pferd sie überholt und das sogar am losen Seil – wer hätte das eine Stunde vorher gedacht? Der Wallach ging neben ihr, darauf blieb sie stehen, ließ ihn einige Schritte rückwärts gehen und es dauerte keine zehn Meter, da war das Überholen Vergangenheit. Linda Parellis „Gib dem Pferd, was es braucht und es gibt Dir, was Du willst.“ hat tatsächlich geklappt. Und ich habe auf jeden Fall für alle Zeiten Folgendes gelernt: Entweder gewöhne ich mir an, bei Neukunden schon im Vorfeld nach dem Vorhanden-Sein und der Qualität von Seil und Stick zu fragen oder ich packe mir Selbiges ins Auto … weil dieses Hilflos-Sein und die Gurtleine durch die Hand gezogen zu kriegen, brauche ich beim besten Willen kein zweites Mal. Apropos: Ich arbeite in der Regel nicht mit Handschuhen, weil ich so hochwertige Seile benutze, dass es selbst bei Losreiß-Versuchen des Pferdes niemals zu Brandblasen kommt. Denn eines muss ich klar stellen: Dieser Wallach ist KEIN Problempferd, zeigt ganz normales Pferdeverhalten, dem man einfach auf Pferdisch begegnen muss und dann verwandelt er sich binnen kürzester Zeit von Mr. Hyde zum Dr. Jekyll … um nicht zu sagen: zum Schmusepferd. Aber zum Pferdisch sprechen, müssen wir so lang und groß wie ein Pferd werden und das geht nur über die Ausrüstung, die durchdacht und qualitativ hochwertig sein muss.

 

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