12 Oaks Ranch - Mehr als "nur" Reiten
12 Oaks Ranch - Mehr als "nur" Reiten

Ein Standardwerk für jeden Westernreiter mit zahlreichen Übungen

Dieser Tage ist mir mit Schrecken aufgefallen, dass ich zwar jede Menge Horsemanship-Bücher rezensiert habe, aber noch kein einziges Buch übers Westernreiten. Das sollte sich ändern, deswegen habe ich mir Katrin Försters Buch „Westernreiten – Pferdetraining logisch erklärt“ vorgenommen und siehe da: Eigentlich ist das dann doch wieder ein Horsemanship-Buch. Wen wundert es? Denn ein Pferd ist schließlich ein Pferd und deswegen muss ich mit dem Pferd in seiner eigenen Sprache reden und die heißt u.a. „Steigerung der Hilfen“.

Was wir von Parelli als vier Phasen der Gerechtigkeit kennen, wird in Katrin Försters Buch aber so viel anschaulicher und netter beschrieben und mit comicreifen Zeichnungen illustriert (KANN ICH EINE HABEN?). An der Türe von Pferdis Haus kann der Reiter nämlich nett anklopfen und wenn das Pferd in der Nähe der Türe ist, dann bekommt es das Klopfen auch mit, ist es aber im Obergeschoss unter der Dusche, dann muss der Reiter symbolisch die Türe eintreten, um Einlass zu erhalten und ist Pferdi im Wohnzimmer, dann reicht das Klingeln. Ob es am Fenster steht und auf seinen Reiter wartet, hängt auch davon ab, wie intensiv sich der Mensch um sein Pferd kümmert.

Ähnlich anschaulich wie Pferdis Haus ist das Bausteinprinzip, was an den Beispielen Lob, Stimm- Zügel- und Schenkelhilfe erklärt wird. Der hellgrüne Baustein ist nur ein leichtes Anspannen der Wade, der mittelgrüne steht für einen Druck des Schenkels an den Pferdebauch und der dunkelgrüne ist ein Klopfen mit den Schenkeln. „Wichtig ist, dass jeder Stapel mit der blassen Farbe beginnt“, erklärt Katrin Förster. „Wenn man dieses System konsequent anwendet, erlebt man irgendwann magische Momente, in denen man bloß an einen Befehl denkt und das Pferd wie von Zauberhand reagiert.“ 

Für Katrin Förster beginnt aber jedes gute Pferdetraining im Stall. Ist die Haltung artgerecht? Passt die Ausrüstung? Nicht zuletzt muss auch schon beim alltäglichen Umgang die Rangordnung geklärt sein. Daher ist es absolut folgerichtig, dass die erste Westerndisziplin, die im Buch vorgestellt wird die Showmanship at halter ist. Denn gutes Reiten beginnt am Boden. Auch hier bin ich fasziniert davon, mit wie geringen Hilfen die Autorin ihr Pferd durch eine Showmanship dirigiert: „Hände vor“ heißt schneller, „Hände zurück“ langsamer und wenn man dafür den Oberkörper minimal vor oder zurück nimmt, sieht das schwer nach Zauberhand aus.

Die letzten beiden Drittel des Buches behandeln das Westernreiten. Los geht es mit der richtigen Körperhaltung des Pferdes, dass die Autorin „Checken“ nennt. Dabei soll das Pferd den Rücken wölben und tief untertreten, denn nur so kann das Pferd das Reitergewicht gesunderhaltend tragen. Dieses so genannte „Checken“ ist die Versammlung des Westernpferdes – nur ohne Aufrichtung. Versammlung bedeutet, dass das Pferd kürzer wird, aber dabei nicht nur körperlich, sondern auch mental nachgibt und das ist weniger ein Kopf-, sondern vielmehr eine Körperhaltung. Ganze zehn Seiten widmet die Autorin dem Thema Anspannung, die sowohl positiv als auch negativ sein kann. Ein sehr spannendes und kurzweiliges Kapitel, das genauso verständlich geschrieben ist wie der Rest des Buches. Faszinierend finde ich, wie gut die Autorin alleine über den Sitz mit dem Pferd kommuniziert, denn wenn ich hinten treibe, um den Rücken zu heben, fange ich ja mit dem Zügel die Vorwärtsbewegung auf. Genau das erreicht die Autorin bei sensiblen Pferden, indem sie ihr Becken abkippt und so durch ihren Sitz bremst.

Ein Buch, das so verständlich erklärt, dass es für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet ist. Einerseits ist es ein Buch, das so spannend ist, dass man es in wenigen Tagen regelrecht „gefressen“ hat, andererseits ist es aber ein Handbuch, das man immer wieder erneut in die Hand nimmt, um das eigene Reiten zu verbessern und ein besseres Verständnis für den Partner Pferd zu entwickeln. Immer wenn ich Katrin auf Turnieren sehe, frage ich mich, wie sie es schafft, immer wieder ganz vorne platziert zu sein und das nicht nur mit einem Pferd, sondern – wie es scheint – mit jedem Pferd, denn sie stellt auf Turnieren auch Jungpferde vor. Katrin Förster muss einfach ein Wahnsinnskörpergefühl haben und wie man das gewinnt, erklärt sie in ihrem Buch mit vielen lehrreichen Beispielen, die unsere Vorstellungskraft ansprechen. So kann man sich zum Bewegung verlangsamen vorstellen auf und ab auf einem Hüpfball zu schwingen. Stellt man sich hingegen vor, dass man vorwärts hüpft, so dient dies der Beschleunigung des Pferdes, um nur eines von vielen Übungsbeispielen zu nennen, die im Buch enthalten sind: Es dürften mehrere Dutzend sein und jede Einzelne hat einen besonderen „Pfiff“ und macht das Lernen nicht nur fürs Pferd, sondern auch den Reiter leicht.

Die Autorin betont immer wieder den Aspekt der Beziehung zum Pferd, das niemals eingeschüchtert, sondern mit Geduld und Ruhe verstanden wird, aber nichtsdestotrotz durch ausgeklügelte Übungen gefordert wird: Travers, Schenkelweichen, Ausstellung, Übergänge, Tritte verlängern oder verkürzen – es bleiben im Buch keine Fragen zum Pferdetraining unbeantwortet. Ähnlich wie im Natural Horsemanship bedient sich Katrin Förster dabei häufig dem Komfort-Diskomfort-Prinzip, das man sich wie Topfschlagen vorstellen kann, bei dem die Hilfen eingestellt werden, wenn das Pferd das Richtige tut, aber es auf dem Weg dahin mit „Kalt“ und „Warm“-Zurufen geleitet wird, so dass es auch ein „Beinahe“ gibt, wo sich das Pferd der gewünschten Übung annähert. Dadurch fühlt sich das Training wie ein Spiel und nicht wie eine Übung an.

Die Autorin hat dabei eine mitreißende und verständliche „Schreibe“: „Auch die Korrektur sollte erfolgen wie beim Topfschlagen. Die Kinder kommentieren das Krabbeln in die falsche Richtung durch >kalt, kälter< …

Wenn man das Pferd erst korrigiert, wenn es schon in die völlig falsche Richtung geht, muss man es massiv korrigieren. Greift man jedoch schon früher ein, wenn es nur in die falsche Richtung tendiert, braucht man gar nicht erst unhöflich zu werden. Außerdem kommt man so schnell wieder zum warm und kann es loben.“ 

Ich fühlte mich spontan an ein Parelli-Zitat erinnert, das besagt: „Mach besser früh wenig, als spät viel.“ Auch beim Thema Anspannung musste ich an die Begriffe mentale und emotionale Versammlung denken, aber es ist auf eine völlig andere Art und Weise erklärt. Die Autorin und erfolgreiche Westernreiterin in Disziplinen wie Trail, Pleasure, Horsemanship und Westernriding weiß, dass Anspannung selten einfach nur körperlich ist, denn oft genug ist das Pferd auch angespannt, weil es entweder Angst hat oder auch einfach nicht genügend motiviert ist. Es macht wenig Sinn, da ausschließlich körperliche Maßnahmen zu ergreifen (die im Buch natürlich nicht fehlen). Oft genug lässt sich Anspannung vermeiden, indem man die Übungen erst sehr leicht beginnt, um sie Schritt für Schritt anspruchsvoller gestaltet, denn nur ohne Stress wird Lernen überhaupt erst möglich.  Nicht zuletzt behandelt das Buch auch den optimalen Reitersitz (Foto) ohne den eine pferdegerechte reiterliche Einwirkung unmöglich bzw. zumindest erschwert wird.

Besonders gut gefallen mir die Beispielübungen unterm Sattel. Zwar erklärt Katrin Förster auch Standardübungen wie Volten, Kontervolten, Trailhindernisse sowie Stellung und Biegung. Meine Aha-Effekte kommen bei den Übungen mit lustigen Namen wie „Hufschlag verboten“, „Hundeknochen“ und „Scheibenwischer“, die durch anschauliche Grafiken illustriert sind. Was genau das ist, will ich nun nicht verraten, aber ich weiß schon jetzt, dass ich allesamt dieser Tage einmal ausprobieren werde und bin froh, dass Katrin Förster ihre Zutaten zum Erfolg mit uns teilt: In einfachen Worten auf den Punkt gebracht, spannend zu lesen und mit hochwertigen Fotos ergänzt, so dass der Leser zumindest in der Theorie ganz genau weiß, wie er sein Pferd zum guten Westernpferd ausbilden kann.

Falls dies aber alleine nicht klappt, kann man Unterricht bei Katrin nehmen, denn sie gehört zu den erfolgreichsten Westernreiterinnen Deutschlands (Auflistung unterhalb der Amazon-Werbung). Außer Reitunterricht bietet Katrin Förster auch Beritt und Turniercoaching an. Kontakt aufnehmen, könnt ihr über ihre Facebook-Seite:

 

Rode Ranch Stable Training-Showing

 

Unter obiger Adresse könnt ihr für 15 Euro das Buch erwerben oder ihr kauft es bei Reitsport Müller, die auf Westernturnieren im Rheinland regelmäßig mit einem Stand vertreten sind. 

 

Abschließend möchte ich den einzigen Wermutstropfen am Buch nicht unerwähnt lassen, was aber wohl einfach das Schicksal der Selbstverleger ist: Man findet hier und da kleinere Fehler, aber hier muss ich eingestehen, dass das bei meinen eigenen Büchern nicht anders ist. Man wird einfach betriebsblind und sieht die eigenen Fehler nicht mehr, selbst wenn man ein Dutzend Mal Korrektur liest. Immerhin: Bei diesem Standardwerk des Westernreitens, das sowohl Anfänger und Fortgeschrittenen ein gutes Lehrbuch sein wird, ist aber wenigstens kein Sinnfehler drin.

Bei meinem eigenen Lehrbuch „Westernreiten meets Natural Horsemanship“ habe ich doch tatsächlich an einer Stelle rechts und links vertauscht – bei Katrin sind es wenigstens nur Kommafehler oder hier und da mal ein fehlender Buchstabe. Da ich diese klitzekleinen Fehler inmitten all meiner Randnotizen vermerkt habe, schreit es geradezu nach einer zweiten Auflage von Katrin Försters „Westernreiten – Pferdetraining logisch erklärt“ und mein Wunsch fürs Buch ist, dass diese zweite Auflage bei Amazon zu finden ist, z.B. indem man das Buch bei Books on demand verlegt, denn es ist kein Buch für einen kleinen Zirkel der Westernreiter im Rheinland, sondern sollte deutschlandweit und international für jeden auffindbar sein, der sich für das Westernreiten interessiert, denn es ist eines der besten Büchern zum Westernreiten, das ich je gelesen habe.

TURNIERERFOLGE VON KATRIN FÖRSTER

 

Die Autorin von "Westernreiten - Pferdetraining logisch erklärt" wurde 2016 EWU-Champion in der Showmanship, ist mehrfache Rheinlandmeisterin (Westernriding, Showmanship sowie Vizemeisterin: Ranchriding, Jungpferde Basis) und war 2016 Trohyendsiegerin des Rheinlandes in der Westernriding, der Pleasure und der Leistungsklasse 1 A insgesamt (aktuell Führung im Trail, Showmanship und der Horsemanship)

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